Blutiges Herz

Es war einmal vor langer, langer Zeit. Da lebte in einer alten, dunklen Burgruine in Transsylvanien ein 11-jähriger Vampirjunge. Seine Mutter war Tod, genauso, wie sein Vater und nun lebte er allein mit seiner süßen Fledermaus dort. Aber jeden Tag legte er seinen Vampirschleier ab und setzte die Sonnenbrille auf. Er ging in die Schule. Oskar, der junge Vampir, ging in die Klasse 6c des Mozart-Gymnasiums. Dort fühlte er sich nur wohl und ging nur hin wegen ihr, der 12-jährigen Mara Kaiser. Jeden Tag wenn er in die Schule kam, suchten seine schwarzen, von der Sonnenbrille verhüllten, Augen sie. Eines Tages traute er sich und ging zu dem blondhaarigen Mädchen. Sein Herz klopfte und er nahm allen Mut zusammen. Als sie sich umdrehte schauten ihre wunderschönen blau-grauen Augen ihn an. Er stotterte: „Ha-Ha-Hallo Mara, hast du Lust am Samstag mit mir ins Kino zu gehen?“ Mara machte große Augen. Sie war überrascht und gleichzeitig gerührt, aber nach einer Minute sagte sie schließlich: “Gerne, das ist eine nette Idee.“ Oskar strahlte, hüpfte fröhlich weg und rief: „Ich hole dich um 15 Uhr ab!“. Wie freute er sich auf das Treffen mit Mara. Am Samstag um Punkt 15 Uhr klingelte es an der Tür von Familie Kaiser. Mara, in weißer Bluse mit roten Tupfen und schwarzer Hose, öffnete freundlich die Tür. Oskar schaute sie hingerissen an. „Du siehst wunderschön aus, Mara!“ Diese Worte kamen ohne zu überlegen. Er konnte seinen Blick nicht abwenden. Sie holte verlegen und etwas errötet ihre Tasche und die beiden gingen los. Im Kino saßen beide nebeneinander und keiner konnte sich auf den Film konzentrieren. Als beide gleichzeitig in den großen Popcorn-Becher griffen, berührten sich ihre Hände und jeder spürte die Wärme des Anderen. Den ganzen Rest des Tages ließen sie einander nicht mehr los. Nach ungefähr zwei Stunden spazierten die Beiden Hand in Hand nach Hause zu Mara. Von nun an besuchten sie sich jeden Tag. Monate später hatte sich ein festes Band der Liebe zwischen den Beiden entwickelt. Doch dieses starke Band sollte bald auf die Probe gestellt werden. Eines Tages war Oskar nicht mehr in der Schule. Er war einfach nicht mehr aufzufinden. Mara verzweifelte vor Sorge. Oskar würde sie sicher nicht einfach so verlassen, ohne ein Wort. Sie war sich sicher; etwas Furchtbares war geschehen. Nach drei Tagen voller Ungewissheit, flog nachts seine kleine Fledermaus mit einer Nachricht von Oskar in ihr Zimmer. Darin stand, dass er vom Herrscher der Vampire im schwarzen Schloss gefangen wäre, das sie aber nicht kommen solle, weil es zu gefährlich für sie sei. Aber irgendwann hielt Mara es nicht mehr aus. Sie packte ihre Sachen und wanderte los. Durch Berg und Tal, durch Wälder und Wüsten. Nach vielen Wochen des Wanderns hatte sie ihr Ziel erreicht. Vor ihr lag, umgeben von einem dunklen See, das Schwarze Schloss der Vampire im Mondlicht. Überall sah man Wachen stehen und das große Burgtor wurde von zwei finster aussehenden Vampiren bewacht. Mara war schlagartig klar, dass es nicht leicht würde ins Schloss zu Oskar zu gelangen. Ihr lief ein Schauer über den Rücken. Würde sie den Kampf mit den finsteren Vampiren schaffen? Hinter einen Felsvorsprung entdeckte sie plötzlich einen geheimen Eingang. Erleichtert atmete sie tief durch und schob einige Efeuranken und Spinnenweben beiseite, die den Eingang verdeckten. Sie rannte durch die Flure, bis sie die erste Gittertür des Gefängnisses sah. Überall hingen Spinnenweben und dicke Spinnen kreuzten den Weg. Sie bremste ab und lief zur ersten Tür. Die Kammer dahinter war leer. Die nächste Tür, da war er. Mara brach es fast das Herz, als sie den verschmutzten und vor Verzweiflung weinenden Oskar sah. Er blickte auf und plötzlich verwandelte sich sein Weinen in ein großes Lächeln. Hoffnung flammte auf, doch das hielt nicht lange an. Ein Wächter hatte sie entdeckt, schrie, rannte auf sie zu und packte Mara am Kragen. Mara schoss die Angst ins Blut. Er schloss die Tür auf und zerrte Oskar raus. Dann stieß er die Beiden vor sich her und schubste sie schließlich durch eine kleine Holzklappe in den Abgrund. Da Mara nicht fliegen konnte, stürzte sich Oskar hinter ihr her, packte sie um die Hüfte und setzte sie sicher am Boden ab. Durch das Sonnenlicht erstarrte Oskar aber danach augenblicklich zu Stein. „NEIN!“ Mara stürzte auf ihn und schloss die Figur in ihre Arme. Vor Verzweiflung und Trauer kniete sie sich nieder und weinte. Nach all den Strapazen und Ängsten, hatte sie Oskar nun doch verloren. All ihre Hoffnungen auf ein gutes Ende waren verloren. Ein Leben ohne ihn, das ertrug sie nicht. Die Tränen liefen und fielen auch auf den erstarrten Oskar. Sie wand sich ab um zu gehen. Doch plötzlich riss etwas und zerbröckelte. Sie drehte sich um und riss die Augen auf. Da stand Oskar und nicht als Statue, sondern als Mensch. Sie rannte auf ihn zu, fiel ihm in die Arme und küsste ihn so schön und leidenschaftlich, wie sie konnte. Im gleichen Moment erstrahlten die Beiden. Die Kälte in der Burg wurde in Liebe umgewandelt. Helligkeit und Schönheit spiegelte sich in jeden Winkel der lichtdurchfluteten Burg wieder. Oskar lächelte und zog Mara noch dichter an sich. „Danke“, hauchte er ihr ins Ohr. Gemeinsam gingen sie dann glücklich nach Hause.